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07.03.2016 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Wohlfeiles Geschrei

Die Forderung deutscher Politiker nach Abschaltung des französischen AKW Fessenheim ist richtig. Glaubhafter wäre sie, wenn der Atomausstieg hierzulande erfolgt

Reimar Paul

Das Geschrei ist groß, und es ist wohlfeil. Nach Bekanntwerden eines in seinen Ausmaßen vertuschten Zwischenfalls im französischen AKW Fessenheim, bei dem die Anlage wohl nur knapp an einer Katastrophe vorbeischrammte, zeigen namentlich Politikerinnen von SPD und Grünen mit dem Finger auf Frankreich – und auf andere Nachbarländer gleich mit.

Maria Luise »Malu« Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und voll im Landtagswahlkampf, forderte von Frankreichs Präsident François Hollande am Wochenende die sofortige Abschaltung der grenznahen Atomkraftwerke Fessenheim und Cattenom. Grünen-Chefin Simone Peter schrieb in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Merkel, »die wachsende Gefährdung großer Teile der Bevölkerung durch überalterte, störanfällige Atomkraftwerke wie Fessenheim, Cattenom, Tihange, Doel (beide in Belgien), Beznau (Schweiz) oder Temelin (Tschechien)« erfülle ihre Partei »mit großer Sorge«. Es müsse einen EU-Atomgipfel geben, der di...

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