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24.02.2016 / Feuilleton / Seite 11

Die Kamera weit weg

Falltür zur Fluchtromanze: Florian Gallenbergers Spielfilm über die »Colonia Dignidad« in Chile

André Weikard

Das Lager in der chilenischen Provinz war die Hölle auf Erden. Von deutschen Auswanderern um den Klerikalfaschisten Paul Schäfer errichtet, ließ Diktator Pinochet hier ab 1973 foltern und morden. Sektenführer Schäfer verging sich an Kindern, schlug und demütigte Frauen, belieferte das Regime mit Waffen und bot den Verbrechern von der Geheimpolizei Unterschlupf. Die Insassen der »Colonia Dignidad« hausten in Baracken und wurden mit der Peitsche zur Arbeit angetrieben. Frauen wurden bei »Herrenversammlungen« gemeinschaftlich misshandelt. All das mit dem Segen der bundesdeutschen Botschaft in Chile. Wer sich nach der Flucht aus dem stacheldrahtumzäunten Lager hilfesuchend an Diplomaten der BRD wandte, wurde zurückgeschickt.

Von 1961 bis 2005 hatte das Lager Bestand. Darüber hat nun Regisseur Florian Gallenberger einen Spielfilm gedreht. Um zu erinnern, aufzuklären – das ist sehr verdienstvoll. Filmisch ist das ganze jedoch konsequent auf den Massengeschmack h...

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