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29.01.2016 / Feuilleton / Seite 11

Wer meint was?

Graue Anzüge und Familiendoubles: Claus Guth zwingt an der Deutschen Oper Berlin »Salome« von Richard Strauss seine Ideen auf

Kai Köhler

In seiner Oper »Salome« lässt Richard Strauss Figuren aufeinanderprallen, die Extremes wollen. Der Prophet Jochanaan ist in einer unterirdischen Höhle am Hof des jüdischen Königs Herodes eingekerkert, preist den kommenden Messias und fordert aus dem Kerker heraus die moralische Reinigung. Die Titelheldin lässt ihn sich vorführen, ist von dem schmutzigen Fanatiker fasziniert und setzt sich in den Kopf, ihn zu küssen. Herodes hat kaum mehr Interesse an seiner Frau Herodias, sondern vielmehr an deren Tochter Salome. Er ist derart versessen darauf, die Tochter vor sich tanzen zu sehen, dass er verspricht, ihr dafür jeden Wunsch zu erfüllen. Sie tanzt und wünscht sich den abgeschlagenen Kopf des Propheten. Herodes, der Jochanaan für einen heiligen Mann hält, fleht Salome an, eine andere Belohnung zu wählen. Vergebens. Der Gefangene wird geköpft, Salome küsst den toten Mund und erlebt einen Moment des Glücks, bevor sie auf Befehl des Herodes als Monstrum getöte...

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