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21.10.2015 / Thema / Seite 12

Eine antifaschistische Totenklage

Vor 50 Jahren wurde »Die Ermittlung« von Peter Weiss uraufgeführt

Richard Schild

Wenige haben dem oftmals naiven Anspruch einer »politischen Kunst« so Genüge getan wie Peter Weiss. Zuerst ist da gewiss die »Ästhetik des Widerstands« zu nennen, in der Weiss den Ich-Erzähler über drei Bände hinweg Widerstand gegen den Faschismus und eine proletarische Aneignung von Kunst als untrennbar aufeinander bezogen erleben lässt. Doch auch mit seinem übrigen Œuvre hat Weiss ein grandioses Beispiel einer ähnlichen Verbindung von politischer und ästhetischer Praxis gegeben. Spätestens seit dem Metadrama »Marat/Sade«, in dem er den Marquis de Sade als Prototyp des scheinbar zur Weltabgewandheit verdammten Künstlersubjekts die Ermordung des Revolutionärs Jean Paul Marat aufführen lässt, ist Weiss diesen Weg mit einer beeindruckenden Beharrlichkeit gegangen. So ist schon dieses Lehrstück über die Notwendigkeit der Revolution wenn nicht das beste, so zumindest das virtuoseste Drama der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das avantgardistische Strat...

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