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06.10.2015 / Inland / Seite 5

»Barmherziges Almosensystem«

Deutschlands Tafeln klagen über wachsenden Andrang. Bundesregierung weist jede Verantwortung von sich

Susan Bonath

Deutschlands Armenspeisung boomt: Supermärkte entsorgen bei Tafeln kostengünstig abgelaufene Lebensmittel. Behörden verweisen immer wieder sanktionierte Hartz-IV-Bezieher oder Flüchtlinge an die Stellen. Laut Bundesverband Deutsche Tafel versorgen sich inzwischen 1,5 Millionen Menschen in über 3.000 Ausgabestellen der gut 900 Einrichtungen mit Essensresten. Hinzu kommen Suppenküchen, die dem Verband nicht angehören. Einen Mangel will die Bundesregierung aber nicht erkennen. Tafeln seien ein »rein zivilgesellschaftliches Engagement«, ein »Zusatzangebot«, keineswegs ein Ausdruck verfestigter Armut und verfehlter Sozialpolitik, teilte SPD-Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller auf Anfrage der Linksfraktion mit. Es sei nicht Aufgabe des Staates, zu erfassen, wie viele Menschen auf die Almosen angewiesen sind.

So sieht die Regierung im wachsenden Zulauf bei Tafeln ein »Zeichen für rationales Wirtschaften von Menschen mit sehr begrenztem Budget«. Bei mehr Au...

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