02.10.2015 / Inland / Seite 4

Pakete statt Geschirr

Ausverkauf in Haldensleben: Das Ende der »Traditionsstadt der Keramik« nach dem Anschluss der DDR und das Leben der Facharbeiter 25 Jahre danach

Susan Bonath

Aus Säulen plätschert Wasser auf das Pflaster. Blumengebinde hängen von Straßenlaternen in der verkehrsberuhigten Zone. Am restaurierten Stadttor verrät ein Schriftzug über aufgemaltem Töpferwerk: »Traditionsstadt der Keramik«. Letzteres ist pure Nostalgie: Seit der »deutsch-deutschen Traumhochzeit« hat der Kapitalismus die Bördekreisstadt Haldensleben in Sachsen-Anhalt verändert. Hinter neuem Anstrich schlummert eine gespaltene Gesellschaft. Ehemalige Keramiker packen Pakete im Teilzeitakkord. Einkommensschwache wurden aus der Innenstadt in die günstige Platte verdrängt. Gutsituierte haben sich in Einfamilienhäusern im Grünen verschanzt.

Marina S. (Name geändert) lehnt am Zaun. Sie blickt auf fensterlose Ruinen neben den Bahngleisen, wenige hundert Meter vom Bahnhof der 18.000-Einwohner-Stadt entfernt. Einzig eine Halle an der Straßenseite ist notdürftig erhalten. An ihrer weiß übertünchten Fassade wirbt ein Schild für »Echte Markenmode zweite Wahl, bis ...

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