02.10.2015 / Feuilleton / Seite 10

König und Mittelmaß

Eine Erinnerung an Heinrich Heine und den deutschen März

Reinhard Griebner

Wenn ich mich auf jene Szene in Altlandsberg besinne, erinnere ich mich ein ums andere Mal an ein Gedicht von Heinrich Heine, »Michel nach dem März«, aus dem Jahr 1850. Da war der Revolution in Preußen und anderswo lange die Puste ausgegangen. Ein Zufall kalendarischer Natur? Denn es begab sich, dass Wahl sein sollte, am 18. März des Jahres 1990 im sterbenden Dreibuchstabenland DDR.

Solang ich den deutschen Michel gekannt, / War er ein Bärenhäuter; / Ich dachte im März, er hat sich ermannt / Und handelt fürder gescheuter.

Wohin man jener Tage kam, wurde dermaßen leidenschaftlich über Zukunft debattiert, dass die Gegenwart darüber beinahe in Vergessenheit geriet. Über die Vergangenheit, so hatte ich gelegentlich das Gefühl, wussten ohnehin am besten die Bescheid, die hierzulande nie in ihr gelebt hatten. Der Wahrheit die Ehre, mir fiel es seinerzeit schwer, mich in diesem Wirrwarr zurechtzufinden. Aber ich pflegte schon damals das zu tun, wovon ich bis heu...

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