01.10.2015 / Schwerpunkt / Seite 3

Viel verzockt

Traditionsreiche Wirtschaftszweige zählten nach der Währungsunion nichts mehr. Die Deindustrialisierung der DDR am Beispiel der Stadt Plauen

Michael Merz

Lothar Tiepner war schon eine Weile nicht mehr in dem Betrieb beschäftigt, dem er soviel Zeit seines Lebens gewidmet hatte. Aber dieser Tag im Jahr 1994 sollte schmerzlicher sein als der letzte Arbeitstag: Er stand vor dem Tor der ehemaligen Vowetex (Vogtländische Webereitextilien) und sah zu, wie der Schornstein gesprengt wurde. »Es war der größte Plauens, diesen Moment werde ich nicht vergessen, das tat weh«, sagt der inzwischen 81jährige heute. 34 Schlote standen damals allein in der Elsteraue, einem ehemals industriell geprägten Gebiet nahe dem Zentrum der Stadt. Heute sind es noch drei. Kein schöner Anblick waren die Schornsteine. Für die, die unter ihnen arbeiteten, ist es aber ein Symbol, dass heute die Hauptverwaltung der örtlichen Sparkasse da residiert, wo früher emsig produziert wurde. 2.700 Mitarbeiter hatte die Vowetex 1989, 1991 noch 240, bald darauf gar keinen mehr. Wer Glück hatte, der ging in Frührente oder AB-Maßnahmen, die meisten Ar...

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