30.07.2015 / Feuilleton / Seite 10

Politik wird verdrängt

Ana Mijic untersucht, wie die ethnischen Gruppen in Bosnien-Herzegowina ihre Identität konstruieren

Ronny Hirsch

Das fast 20 Jahre nach Ende des Krieges in Bosnien-Herzegowina erschienene Buch »Verletzte Identitäten – Der Kampf um den Opferstatus im bosnisch-herzegowinischen Nachkrieg« von Ana Mijic untersucht vor allem die Frage der Konstruktion ethnischer Selbstbilder. Das Buch ist aus der Dissertation der Autorin hervorgegangen, für die sie 30 Angehörige der verschiedenen Ethnien interviewt hatte. Aus individuellen Erfahrungsberichten rekonstruiert die Autorin die Besonderheiten der gruppenspezifischen sozialen Gedächtnisse in der bosnischen Gesellschaft. Durch den Krieg kam es zu einer besonderen Situation. »Die Überlebenseinheit«, war nicht, wie in gewöhnlichen Kriegen, der Nationalstaat, sondern die Ethnie. Diese wurde damit von einer im untergegangenen Jugoslawien vergleichsweise unwichtigen, zu einer für das Überleben wichtigen Kategorie. Der eigenen Gruppe wurde eine (moralische) Überlegenheit zugeschrieben. Die fremden Gruppen dämonisiert. Na...

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