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30.07.2015 / Feuilleton / Seite 10

Kein Glas Wasser

Miljenko Jergović erzählt in »Vater« die Geschichte seiner Familie und die seines zerrissenen Landes

Frank Schäfer

Die jugoslawische Misere des 20. Jahrhunderts geht mitten durch Miljenko Jergovićs Familie. Die Großmutter ist eine gläubige Katholikin und wie die meisten kroatischen Frömmler der Ustascha zugetan, jener nationalistischen Terrorgruppe, die 1941 von den Achsenmächten inthronisiert ihr klerikalfaschistisches Regime in dem neugegründeten Unabhängigen Staat Kroatien errichten konnte und für den hunderttausendfachen Mord an Serben, Juden und Roma verantwortlich war.

Ihr Sohn, Jergovićs Vater, wird als 17jähriger auf dem Heimweg nach der Schule von den Tito-Partisanen zwangsrekrutiert, kämpfte also auf der Gegenseite für die Befreiung Jugoslawiens. Nach Kriegsende kommt er halbtot nach Hause, an Typhus erkrankt, aber seine Mutter nimmt ihn nur widerwillig auf, »weil er zu den Partisanen gegangen war und Kroaten getötet hatte. Er lag im Bett und delirierte, und sie sagte, er solle ruhig verrecken«. Sie brachte »ihm nicht einmal ein Glas Wasser, obwohl er wahnsi...

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