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22.05.2015 / Inland / Seite 4

Unter Lokführern

Wie die Friedenspflicht im Berliner Streiklokal der GDL aufgenommen wurde

Wladek Flakin

»Euch sollte man alle vergasen«, schrie der alte, kleinwüchsige Mann, der hinter dem Berliner Ostbahnhof spazierte. Vor dem Café Style standen Fahnen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die am Mittwoch zum neunten Mal in den Streik getreten war. Der Rentner drückte am Streiklokal jene Pogromstimmung über »die Arschlöcher von der GDL« aus, die Boulevardmedien befeuerten. Am selben Tag hatte der Youtube-Kanal Juliens Blog vorgeschlagen, Lokführer ins Gas zu schicken.

Als der Ausstand am Mittwoch begann, war die Stimmung unter den 100 Streikenden im Café Style gelassen. Trotz verbreiteter Hetze zeigten einige Passanten Sympathie für die GDL – bei einer Umfrage von Radio eins äußerten 54 Prozent der Menschen Verständnis für den Arbeitskampf. Nicht alle verstehen aber dessen Sinn. Sogar dem alten Pöbler bieten GDL-Mitglieder ein Gespräch an. »Wer als Eisenbahner mit Publikumsverkehr zu tun hat, hat alles schon längst gehört«, lacht ein Streikende...

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