20.05.2015 / Thema / Seite 12

Magna cum laude

Nach 78 Jahren: Die 102jährige Kinderärztin, Antifaschistin und ehemalige DDR-Bürgerin Ingeborg Rapoport erhält ihren von den Nazis verwehrten Doktortitel mit Auszeichnung

Horst Schäfer

Die bekannte wie beliebte Kinderärztin und Inhaberin des ersten europäischen Lehrstuhls für Neonatologie an der Charité der DDR, Professor Dr. Ingeborg Rapoport, hat ihre Doktorarbeit heute vor einer Woche mit Bravour verteidigen können. Das Besondere an dem Rigorosum war: Die Doktorandin ist 102 Jahre alt, und die zur Promotion dazugehörige Dissertation verfasste sie – damals unter ihrem Mädchennamen Ingeborg Syllm – mit 25 Jahren im faschistischen Deutschland. 1937 war ihr die mündliche Prüfung zu ihrer Doktorarbeit über Diphtherie von den Nazibehörden unter Verweis auf ihre jüdische Mutter verweigert worden. Damit blieb sie in Deutschland ohne einen akademischen Abschluss, den sie dann nach ihrer Flucht im Jahr 1938 unter widrigen Umständen in den USA nachholen musste.

Eine offizielle Prüfungskommission der medizinischen Fakultät des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf tagte Mitte Mai 2015 in Berlin-Pankow, um das vor mehr als 78 Jahren begang...

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