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04.05.2015 / Feuilleton / Seite 10

Literatur als Sprengstoff

Ein Romanklassiker von Christopher Morley erscheint zum ersten Mal in deutscher Übersetzung

Jordi Serrano

Klassiker der Literatur werden nicht selten 100 und mehr Jahre unentwegt von ihren Verlagen in Druck gehalten. Indes gibt es kaum Werke, die erst 100 Jahre nach ihrem Erscheinen das erste Mal in deutscher Übersetzung vorgelegt werden. Der Roman »Das Haus der vergessenen Bücher« von dem in Pennsylvania geborenen Autor Christopher Morley (1890-1957) hat diese Zeitenhürde nun genommen. Der unter dem Dach von Hoffmann und Campe neugegründete Hamburger Atlantik Verlag riskierte das Wagnis und warf den 1919 im Original in New York erschienenen Band wie frisches Brot unter die hungernden Bibliophilen: »Geistige Unterernährung ist ein ernstes Leiden«, ist auf dem Schutzumschlag zu lesen. »Wir haben die richtige Medizin für Sie!« Das flüstert uns nicht der Werbetexter ein, sondern ist vielmehr ein Sinnspruch, mit dem im Buch der Antiquar Roger Mifflin Besucher in seinen Laden lockt.

Im Zentrum des Geschehens steht das in Brooklyn, New York, angesiedelte irdene Him...

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