18.04.2015 / Feuilleton / Seite 11

Eine scharfe Doppelbelichtung

Frank Witzel legt den Roman seiner linken westdeutschen Generation vor: »Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969«

Dr. Seltsam

Wer hat Angst vor dicken Büchern? Beim »Zauberberg« kapitulierte ich vor Settembrinis Tiraden, Musil und »Ulysses« ließ ich gleich rechts liegen und in Peter Weiss’ »Ästhetik des Widerstands« habe ich mich mehrfach verlaufen, »Don Quichote« beendete ich als »Illustrierten Klassiker« und »Die »Blechtrommel« bewältigte ich als Film.

Der neue Roman von Frank Witzel ist 818 Seiten dick. Er heißt »Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969«. Ich habe ihn in einem Rutsch durchgelesen, trotz gelegentlicher Bildungshuberei und dem »Eleganten Unsinn« neuerer Philosophie. Ohne Zitatangabe soll man Foucaults »Wahnsinn und Gesellschaft« erkennen (im 97. Kapitel, das Buch hat 98 und ein vierzehnseitiges Register) oder Jean Pauls »Rede des toten Christi vom Weltgebäude herab« (85. Kapitel). Das gilt auch für De Sade oder Rühmkorf. Es empfiehlt sich, alle Beatles-Platten auswendig zu kennen und einen gewissen Sin...

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