05.12.2014 / Feuilleton / Seite 10

»Tränengas olé!«

Deniz Yücel hat ein Buch über die Gezi-Bewegung und die Zukunft der Türkei geschrieben

Ulf Schleth

Der »Islamische Staat« steht vor der Tür und Recep Tayyip Erdogan, dem Präsidenten der Türkei, fällt nichts Besseres ein, als unter Berufung auf eine sehr eigenwillige Interpretation von Kolumbus' Tagebüchern zu verkünden, dass muslimische Seefahrer Amerika schon vorher entdeckt hätten. Nicht, dass das jemanden wundern würde; man ist solche Auftritte von Erdogan gewohnt. Ist er ein Dadaist mit ausgeprägter Profilneurose, oder will er ablenken? Und wen könnte er ablenken wollen? Die Weltöffentlichkeit? Seine eigenen Anhänger?

Dass es in der Türkei viele Menschen gibt, die ihn ganz und gar nicht originell finden, wissen wir spätestens seit Mai 2013. Es begann mit Protesten gegen ein Bauprojekt auf dem Gelände des an den Istanbuler Taksim-Platz angrenzenden Gezi-Park. Der zivile Widerstand wuchs sich zu einer Bewegung gegen die türkische Regierung, ihre Polizeigewalt und Korruption aus. Erdogan mutmaßte hinter alledem eine große Verschwörung von Zionisten, ...

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