02.12.2014 / Feuilleton / Seite 10

Allezeit rebellischer Geist

Um Leben und Werk des Philosophen Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) ging es bei einer wissenschaftlichen Tagung in Berlin

Hans-Otto Dill

Im Jahr des 200. Todestags von Johann Gottlieb Fichte veranstaltete die Leibniz-Sozietät im Rathaus Berlin-Tiergarten eine wissenschaftliche Tagung. Zwölf Referenten beleuchteten am 13. November die Persönlichkeit und andauernde Ausstrahlungskraft des Wahlberliners, dessen umfangreiches Schaffen sich keineswegs auf Philosophie beschränkte.

Die Genesis von Fichtes Denken ist ohne seine Sozialisation in der heimatlichen Oberlausitz nahezu unerklärbar, wie aus dem Vortrag des ebenfalls dort geborenen Althistorikers Armin Jähne hervorging. Die Region war jenseits aller Provinzialität von einer typisch ostmitteldeutschen, von Frühaufklärung und protestantischer Philosophie- und Theologietradition geprägten Geistigkeit bestimmt. Fichtes Herkunft aus einer armen Bandwirkerfamilie bestimmte nicht nur sein soziales Empfinden und seine politischen Stellungnahmen, sondern auch sein Jakobinertum, sein Parteiergreifen für die Französische Revolution und für revolutio...

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