10.06.2014 / Thema / Seite 10

Schrankenloser Terror

Geschichte. Vor 70 Jahren verwüsteten deutsche Soldaten die griechische Gemeinde Distomo und töteten mehr als 200 Einwohner. Die Angehörigen der Opfer sind bis heute nicht ­entschädigt

Martin Seckendorf
Der 10. Juni 1944 hat sich tief in das kollektive Gedächtnis von Franzosen und Griechen eingebrannt. An diesem Tag zerstörten Soldaten einer Waffen-SS-Einheit die Gemeinde Oradour sur Glane in Mittelfrankreich und ermordeten 642 Einwohner. Es war das größte Kriegsverbrechen, das die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges in Westeuropa verübten. Auch wegen eines aufsehenerregenden Strafverfahrens, das die DDR-Justiz 1983 gegen einen Haupttäter führte, war der Massenmord in Deutschland gut bekannt – lange vor dem Besuch des Bundespräsidenten 2013 an den zum Denkmal erklärten Ruinen des von den Faschisten zerstörten Dorfes. Dagegen ist das Massaker der deutschen Besatzer vom 10. Juni 1944 in dem griechischen Ort Distomo noch immer weiten Teilen der hiesigen Bevölkerung kaum bekannt.

Massenmord im Wochentakt

Am Abend des 14. Juni 1944 erreichte die in Athen tätige Vertretung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) die Nachricht, ...

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