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07.06.2014 / Schwerpunkt / Seite 3

Der flexible Tunnelblick

Früher galt ein rassistisches Motiv als Hirngespinst, heute sind es staatliche Verstrickungen

Claudia Wangerin
Der Frieden in der Keupstraße sei heute »verletzter« als vor dem Nagelbombenanschlag am 9. Juni 2004. So drückte es Mitat Özdemir bei einer Veranstaltung im Münchner Gewerkschaftshaus aus, die dort am 31. März anläßlich des 100. Verhandlungstages im NSU-Prozeß stattfand. Der frühere Vorsitzende der »Interessengemeinschaft Keupstraße« war zusammen mit Kutlu Yurtseven von der Kölner Band Microphone Mafia und dem Historiker Massimo Perinelli angereist, um über die Erfahrungen nach dem Anschlag zu berichten. »Wir wußten von Anfang an, daß das ein fremdenfeindlicher Anschlag war. Aber das wollte man nicht hören. Wir sollten uns gegenseitig beschuldigen«, sagte Özdemir.

Kutlu Yurtseven hatte bereits nach dem Anschlag auf ein Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse 2001, bei dem eine Tochter iranischer Flüchtlinge schwer verletzt wurde, den Tunnelblick der Ermittler erlebt, da das Studio der Band in de...

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