04.06.2014 / Feuilleton / Seite 12

Fotografie im Eimer

Die Pioniere der sogenannten Creative Class erinnern an das »Wonderland« Ostberlin 1990–1996

Su Tiqqun
Berlin – ein »Wonderland«. In der Tat läßt dieser Fotoband eine Zeit wieder auferstehen, an die man sich heute vor lauter Rausch­erinnerungen nur unscharf erinnert. Dafür sind die ausgewählten Fotografien um so schärfer. Sie veranschaulichen die Aura der »provisorischen« Jahre von 1990 bis 96, als man in der Spandauer Vorstadt der funktionalen Selbstbegrenzung des eigenen Ich hemmungslos entfliehen und sich für kurze Zeit den Regulativen der Staatsräson entziehen konnte.

Die raumgreifende Unbeschwertheit, mit der die Aktivisten die Starre der 80er Jahre hinter sich ließen, um ihr antibürgerliches Ideal in den zerfallenden Resten des wilhelminischen Baubooms wiederzubeleben, war einzigartig. Das Titelfoto von Ben de Biel veranschaulicht das Lebensgefühl dieser Nachwende-Besetzergeneration am besten: Entspannte Manpower am Straßenrand, viel Sonne, Freikörperkultur ohne Sexismus, flanierende Muslim-Transen, kein Leistungsdruck, kein Statusfetischismus...

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