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09.05.2014 / Schwerpunkt / Seite 3

»Die Ukraine ist tot«

Nach dem Angriff auf das Gewerkschaftshaus in Odessa: Hunderte besuchen den Ort des Pogroms vom 2. Mai. Viele sagen: mit denen in Kiew geht nichts mehr

Reinhard Lauterbach, Odessa
Morgens um kurz nach sieben sind auf dem weitläufigen Platz vor dem Odessaer Gewerkschaftshaus schon einige Dutzend Menschen versammelt. Sie stehen stumm vor den verkohlten Balken der massiven Eingangstüren, schauen in das verwüstete Vestibül, legen Blumen nieder, entzünden Kerzen. Ein Besucher vom Vortag hat einen Sinn für bittere Ironie bewiesen: Auf seinem Blumenstrauß schmilzt eine Tafel Schokolade der Firma Roshen, die dem Präsidentschaftskandidaten Petro Poroschenko gehört, vor sich hin: 78 Prozent Kakao, extra bitter. Nimm das, Dreckskerl, ist die implizite Botschaft.

Tausende Sträuße roter Nelken liegen vor dem massiven Bau im sowjetischen Klassizismus, der 1948 für das Gebiets­parteikomitee errichtet wurde, und ständig kommen im Laufe des Tages Leute vorbei, die neue Blumen dazulegen: Mütter mit Kindern, Leute auf dem Weg ins Büro, Jugendliche. Eine der Besucherinnen des Orts schon am frühen Morgen, eine ältere Frau mit Goldzähnen, sagt: »Das hi...

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