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20.03.2014 / Feuilleton / Seite 12

Klugheit kollektiver Praxis

Ein Gesprächsband fördert Überraschendes über den Anarchismus zutage

Thomas Wagner
Für viele Marxisten ist der Anarchismus ein rotes Tuch: theoretisch anspruchslos, politisch unzuverlässig und im schlechten Sinne utopisch. Tatsächlich kann es einem oberflächlichen Beobachter zunächst so scheinen, als sei das anarchistische Freiheitsideal geradewegs in die heute vorherrschenden Ellenbogen-Ideologie des Neoliberalismus gemündet. Plausibel erscheint diese These, wenn man den Werdegang so manches Protagonisten dieser Bewegung verfolgt. 1968 war der damalige Studentenführer Daniel Cohn-Bendit einer der wichtigsten Köpfe des Neoanarchismus, heute steht er an vorderster Front, wenn es darum geht, aus der Europäischen Union eine imperialistisch agierende Großmacht zu formen. Der Philosoph Wolfgang Harich (1923 bis 1995), von dem eine fundierte marxistische Auseinandersetzung mit dem Anarchismus stammt, hielt dessen alten und neuen Protagonisten vor, von einem problematischen gemeinsamen Grundmotiv bewegt zu sein: der revolutionären Ungeduld. We...

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