28.12.2013 / Thema / Seite 10

Dem Kapital an die Wurzel

Theologie. Das Lehrschreiben »Evangelii Gaudium« von Papst Franziskus: Keine Revolution, aber ein Programm, das dazu führen könnte

Kuno Füssel und Michael Ramminger
Bei der abendlichen Szene seiner Vorstellung als neuer Papst am 13. März 2013 bat Jorge Bergoglio, so sein weltlicher Name, die versammelte Menge, zuerst ihn zu segnen, denn: »Ich bin ein Sünder«. Dies ist keine gekünstelte Bescheidenheitsfloskel. Franziskus sieht sich eben nicht als das alle Glaubensfragen beantwortende unfehlbare Wesen, sondern bekennt seine Endlichkeit und Fehlbarkeit und gibt zu, daß er auch in seiner Zeit in Argentinien, in der er vom Priester (1969) zum Kardinal (2001) aufstieg, vieles falsch gemacht habe (zu seiner Biographie siehe jW-Thema vom 30.3.2013). Er lehnt protzige Auftritte und pompöse Rituale ab, lebt bescheiden und ist offen für alle, die seine Nähe suchen, besonders aber für die Armen, Notleidenden und Ausgestoßenen dieser Erde. Wenn dieses Verhalten wenigstens in seiner Kirche Schule machen würde, könnte dies die Welt verändern. Auch wenn er bei Reizthemen wie Abtreibung, Ehescheidung und Homosexualität an der traditi...

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