14.12.2013 / Geschichte / Seite 15

Auf Verwandtenbesuch

Am 17. Dezember 1963 unterzeichneten die Regierung der DDR und der Senat von Westberlin das Passierscheinabkommen

Mark Altten
Ab heute 13 Uhr Anträge für Passierscheine«, so lapidar war der Aufmacher des Tagesspiegel am 18. Dezember 1963 überschrieben. Hinter der Meldung deutete sich aber ein Paradigmenwechsel im bisherigen Frontstadtkurs des Westens an. Für Willy Brandt, seit sechs Jahren Regierender Bürgermeister, zeigte dies eine signifikante Kurskorrektur seiner bisherigen politischen Linie an. Zum ersten Mal seit August 1961 konnten die Westberliner wieder Verwandte und Freunde in Ostberlin besuchen. Die Regelung war bis zum 5. Januar 1964 befristet.

Der politischen Kaste im Westen war es bis dato geradezu ein Greuel, mit den »Zonenmachthabern« überhaupt zu verhandeln, geschweige denn Vereinbarungen zu treffen. Anfang 1958 hatte Willy Brandt – als Regierender Bürgermeister frisch gewählt – im Springerblatt Die Welt schwadroniert: Seine Politik ziele darauf ab, die »Konsolidierung und Stabilisierung der Sowjetzone soweit wie möglich zu erschweren und so sehr wie...

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