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15.08.2013 / Thema / Seite 10

Verrückte Verhältnisse

Rezension. Der US-Psychiater Allen Frances verteidigt die »Normalität« gegen eine »Inflation von Diagnosen«. Er möchte die Psychiatrie, aber nicht die Gesellschaft verändern

Michael Zander
Auf den ersten Blick wirkt es wie eine der üblichen Zänkereien unter Gelehrten: Um das im Mai von der American Psychiatric Association (APA) herausgegebene Handbuch für psychiatrische Diagnosen wird in der Fachwelt heftig gestritten. Der Kriterienkatalog, heißt es, sei nicht streng genug gefaßt. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich allerdings, daß es sich um eine Kontroverse von öffentlichem Interesse handelt. Denn das »Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders« (Diagnostisches und statistisches Handbuch psychischer Störungen, kurz DSM) definiert in der klinischen Praxis, welche Phänomene als »krank« gelten und wer Leistungen des Gesundheitssystems, einschließlich Psychopharmaka, beanspruchen darf. Der Vorwurf der Kritiker lautet, das neue DSM-5 weite den Bereich des als »krank« Angesehenen drastisch aus und mache damit vor allem der Pharmaindustrie ein Geschenk. Zwar gilt das DSM in erster Linie für die USA, ihm wird aber großer Einfluß auf die ...

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