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30.05.2013 / Feuilleton / Seite 12

Trödel des Grauens

»Böse Dinge«: Eine Ausstellung in Hamburg versucht sich am rigorosen Moralismus des guten Geschmacks

Falk Schreiber
Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe steht ein großer Tapeziertisch. Besucher können hier »böse Dinge« abgeben: eine Skulptur aus Staubwedeln. Nippes. Unzählige Aschenbecher, Briefbeschwerer, der ganze Schrott, den man vor Jahren von der Schwiegermutter geschenkt bekam und der seitdem in einer Kammer verstaubt. Das ist alles unglaublich häßlich, es ist unpraktisch, aber ist es böse? Eine Vase, die aussieht wie ein Monsterei aus »Alien«, wird etwas hilflos als »böses Ding, weil diese Vase als Vase nicht geeignet ist« beschrieben.

Doch für Gustav E. Pazaurek (Kunsthistoriker, 1865–1935) waren ästhetische Fragen hingegen ganz klar moralische. »Wollen wir erkennen, worin der gute Geschmack besteht, müssen wir zuerst den schlechten Geschmack beseitigen« schrieb der Direktor des Stuttgarter Landesgewerbemuseums anläßlich der Eröffnung 1909 einer »Abteilung der Geschmacksverwirrungen«. Pazaurek war Mitglied des Deutschen Werkbundes, einer lebensrefor...

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