17.05.2013 / Feuilleton / Seite 13

Keine Alten mehr

Sozialgeschichte von unten: Zwei Künstler erforschen ihr Haus im ­gentrifizierten Berlin-Prenzlauer Berg

Matthias Reichelt
Nach 1938 sind ja viele abgeholt worden. Zuerst kamen die Leute auch mal wieder zurück, später nicht mehr. Auch unser Nachbar ist nicht mehr nach Hause gekommen. Der war ja nicht nur Jude, sondern auch Russe und ist gleich nach Warschau deportiert worden. 42 war das, glaube ich, als die Nazis das Jüdische Waisenhaus unten in der Schönhauser gegenüber dem Friedhof aufgelöst haben. Später habe ich gehört, daß die Kinder alle gleich, als sie im Ghetto Riga angekommen waren, ermordet worden sind.« Das erinnert Gisela T., Jahrgang 1923.

Das Zitat im O-Ton stammt aus dem typographischen Kunst-am-Bau-Projekt von Julia Broadauf und Felix Müller. Es macht den Ansatz der Künstler deutlich, die Geschichte des Hauses in der Schönhauser Allee 52 in Berlin-Prenzlauer Berg im Wandel der Zeit darzustellen. »Grabe wo du stehst«, dieses Motto der Geschichtswerkstätten haben die beiden Künstler und Mieter im Haus beherzigt. Mittels Melderegister und alter Telefonbücher hab...

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