14.12.2012 / Feuilleton / Seite 12

In der Anderswelt

Bericht von einer »Lesenacht für Obdachlose« in Berlin-Prenzlauer Berg

Jamal Tuschick
Es gibt keine Zwecke, sagt Nietzsche. Die Leute von der Obdachlosenhilfe »Brücke e.V.« wissen es besser. Sie beriefen am Mittwoch abend in Berlin so etwas wie einen poetischen Wohlfahrtsausschuß ein, der sich vom Exekutivorgan der Jakobiner aus dem Jahr 1793 allerdings durch absolute Ohnmacht unterschied. Die »Lesenacht für Obdachlose« in der »Literarischen Freiheit« des Soda-Salons im Prenzlauer Berg wurde von Spitzenkräften der deutschen Gegenwartsliteratur bestritten. Ein elegischer Zusammenklang von Altruismus, Advent und Ausgrenzung bei extremen Außentemperaturen. Vor der Tür wurde auf einem Weihnachtsmarkt alles aufgeboten, was der Prenzlberg an gut aufgelegtem Mittelstand zu bieten hat. Drinnen kam die Lage der Nation von unten zur Sprache.

»Die Brücke« hat sich seit 1995 der Prävention verschrieben. Ihre Aktivisten setzen dort an, wo Obdachlosigkeit noch abgewendet werden kann, in der Grauzone vor den letzten sozialen Ankerbrüchen. »Verdeckte Obd...

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