23.06.2012 / Schwerpunkt / Seite 3

Menschenjagd für Auflage

Die Kultur des Ressentiments – das Markenzeichen der Bild. Das eigentliche Problem ist aber nicht das Boulevardblatt – es sind seine Sympathisanten

Wolfgang Storz
Ist Bild ein Riese oder nur einer, der auf tönernen Füßen steht? Es kann unterstellt werden: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Springer-Konzerns, und Kai Diekmann, Herausgeber und Chefredakteur des Blatts, wollen mit ihm die politische Agenda dieser Republik mitbestimmen.

Bild inszeniert sich – das ist der wichtigste Punkt – als Stimme des deutschen Volkes. Immer noch mit einem gewissen Erfolg: 1985 gingen täglich etwa 5,5 Millionen Menschen an den Kiosk und holten sich die Tages­ausgabe, heute sind es noch knapp 2,7 Millionen. Wie geht das? Damit das Volk »seine Stimme« auch kauft, muß der Preis klein, der Vertrieb perfekt und die Machart aufmerksamkeitsstark sein. Deshalb arbeitet Bild ganz selbstverständlich sehr oft mit den Instrumenten der Werbung, seltener mit denen des Journalismus. Und: Um die freie Kaufentscheidung zu ihren Gunsten ausfallen zu lassen, wenden die Redakteure Methoden an, die – gemessen an Werten von Auf...

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