15.06.2012 / Feuilleton / Seite 13

In der Welt leben

Zum Tod des Freundes, Literaturwissenschaftlers, Lehrers, Lesers, Zuschauers und Kritikers Dieter Schlenstedt

Hans-Eckardt Wenzel
Ich werde das Gefühl nicht los, daß dieses Land entvölkert wird von den Weisen. Was Evaluierungen und Disqualifikationen nicht vollbrachten, verrichtet nun, über jeden Zweifel erhaben, der Tod. In einem schäbigen Hotelzimmer auf der Tournee weckte mich früh das Telefon. Mein langjähriger Partner Mensching meldete sich: »Wenn ich dich Sonntag früh anrufe, ist es immer ein trauriger Anlaß. Dieter ist gestorben.« – Was soll man mit solch einem Tag noch beginnen? Ich fuhr weiter die überfüllte deutsche Autobahn entlang zum nächsten Konzert, die Brust beengt von Einsamkeit. Ich werde ihn nicht mehr sehen. Er wird mir nicht mehr von seiner Satire über den neuen Literaturstar T. berichten. Er wird die begonnenen Gedanken nicht mehr zu Ende denken können. Er wird mir nicht mehr die Fragen stellen, die sanften, sich selbst befragenden Fragen, wenn ich ihm einen Text vorlese. Er wird nicht mehr mit seinem Lachen meinen Mißmut entmachten. Immer dieses NICHT-ME...

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