05.04.2012 / Ansichten / Seite 8

Neo-Totalitarismus

Kesseltreiben gegen Günter Grass

Werner Pirker
Günter Grass hat das Unglaubliche gewagt. Er hat die israelische Politik gegenüber dem Iran einer scharfen Kritik unterzogen. In Gedichtform machte der Schriftsteller Israel den Vorwurf, »alles vernichtende Sprengköpfe« auf den Iran zu richten. »Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag«, schreibt er, »der das iranische Volks auslöschen könnte«.

Das Imperium der veröffentlichten Meinung schlug umgehend zurück. Als federführend erwies sich einmal mehr Henryk M. Broder, der in einem Beitrag für Die Welt Günter Grass als »Prototyp des intelligenten Antisemiten«, der immer schon »ein Problem« mit Juden gehabt habe, bezeichnete. Die vom Haßprediger der Nation wie selbstverständlich vorgenommene Gleichsetzung von Israel-Kritik und Antisemitismus findet sich auch in einer Stellungnahme auf der Homepage der israelischen Botschaft, in der das Grass-Gedicht in eine Traditionslinie mit christlichen Ritualmordvorwürfen an Juden gestellt wird. Mit der grob tatsa...

Artikel-Länge: 3177 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen

Bitte einloggen

Abo abschließen

  • Gedruckt

    Printabo

    Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

    37,90 Euro/Monat Soli: 47,90 €, ermäßigt: 27,90 €
  • Online

    Onlineabo

    24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

    16,90 Euro/Monat Soli: 21,90 €, ermäßigt: 10,90 €
  • Verschenken

    Geschenkabo

    Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

    37,90 Euro/Monat Soli: 47,90 €, ermäßigt: 27,90 €

Kurzzeitabo abschließen

Zur aktuellen Ausgabe