09.03.2012 / Feminismus / Seite 15

Niemand, der reinredete

Heute vor 40 Jahren beschloß die DDR-Volkskammer das »Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft«. Frauen konnten autonom entscheiden

Grit Lemke
Es war eine Art verspätetes Frauentagsgeschenk, das die weibliche Bevölkerung in der DDR vor genau 40 Jahren, am 9. März 1972 von der Volkskammer kredenzt bekam: das »Gesetz über die Unterbrechung der Schwangerschaft«. Mit acht Gegenstimmen und 14 Enthaltungen war es nicht nur die einzige nicht einstimmige Abstimmung in der Geschichte dieses Parlaments, sondern auch international ein Novum: Erstmals entschied nicht eine Kommission nach Maßgabe strenger Indikationen, sondern die Frau allein und eigenverantwortlich über den Abbruch einer Schwangerschaft innerhalb einer Frist von zwölf Wochen.

Diese Radikalität hatte mehrere Gründe: Nach seiner Amtsübernahme hatte Staatschef Erich Honecker im DDR-Recht kaum einen Stein auf dem anderen gelassen, zudem hatte er die Frauen und besonders berufstätige Mütter als wichtigste Adressatinnen seiner Sozialpolitik entdeckt. Dies entsprach deren wachsendem Selbstbewußtsein und Einfluß, gerade auch innerhalb der Ärztesch...

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