24.05.2011 / Inland / Seite 8

»Man hat die Nigerianerin zum Monster gemacht«

Die Behörden versuchen, Details zu tödlichen Schüssen im Frankfurter Jobcenter unter dem Deckel zu halten. Ein Gespräch mit Bernhard Schülke

Gitta Düperthal
Dr. Bernhard Schülke ist Mitglied der Erwerbsloseninitiative Lucky Losers in Frankfurt am Main

Am Donnerstag hat eine Polizistin eine Hartz- IV-Bezieherin im Jobcenter von Frankfurt/Main erschossen. Sie hatte zuvor Streit mit einer Sachbearbeiterin und einen der hinzu- gerufenen Polizisten mit dem Messer verletzt. Wie kann eine Situation so eskalieren?

Wenn Menschen in die Ecke getrieben werden, reagieren sie verzweifelt. Der Tatort ist das Jobcenter in der Mainzer Landstraße 315, eine Anlaufstelle des Jugend- und Sozialamtes für Obdachlose, Suchtkranke und Flüchtlinge. Insbesondere, wenn Menschen psychisch angeschlagen sind, ist die Gefahr groß, daß sie in Panik ausbrechen, sobald sie sich ihrer Existenzgrundlage beraubt sehen. Geht die Wut nach innen, kann das im Suizid enden, was unter Hartz IV-Beziehern immer wieder der Fall ist. Geht sie nach außen, kann es vorkommen, daß Betroffene Amok laufen, wie im Fall dieser 39jährigen Frau, die aus Nigeria sta...

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