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29.03.2011 / Feuilleton / Seite 12

In der Petrischale

Die Gedichte von Lutz Steinbrück sind keine Meinungen to go

Kristoffer Cornils
Wer bei einem Titel wie »Blickdicht« eine Sammlung von hermetischer Lyrik erwartet, wird von Lutz Steinbrücks zweitem Band enttäuscht. Am rätselhaftesten dürfte seine Frage nach dem Erfinder der Perserkatze sein, die Steinbrück wie vieles andere direkt seinem Berliner Alltagsleben entnommen hat. In Singer-Songwriter-Manier verwendet Steinbrück, selbst Musiker, lieber Slogans als preziöse Verse, bevorzugt Schlagwörter gegenüber hochgegriffenen Metaphern.

Steinbrücks Gedichte sind Petrischalen, in denen er den Bodensatz an Medien- und Alltagssprache zu lyrischen Miniaturen hochzüchtet. Das Ganze ist durchtränkt von Ironie, Sarkasmus, stellenweise Zynismus und komisch: »Vegetarier sind schlecht / für die Fleisch-Industrie die / werden niemals Export-Weltmeister«. Das könnte man politisch nennen, besser noch bewußtes Hinschauen: Selbst in seinen eingängigsten, eindeutigsten und einfachsten Momenten schwingt der hauptberufliche Journalist nie den moralischen ...

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