14.12.2010 / Feuilleton / Seite 12

Beim Schoppen poppen

Die Queen of the Bembel: Tine Köhl gibt Einblick in ihr erotisch ­ereignisreiches Leben als Apfelweinkönigin

Jürgen Schneider
Ein belangloser TV-Film. Eine längst erwachsen und flügge gewordene Tochter erfleht von ihrer Mutter die Herausgabe des Koffers, in dem sich ihre Tagebücher aus Teeniezeiten befinden. Die gefühlskalte Erzeugerin blafft: »Was willst du mit dem Schwulst? Ich habe mir erlaubt, deine Kritzeleien zu lesen und sie längst der Mülltonne übergeben.« Ein solches Schicksal war den Tagebüchern der Tine Köhl nicht beschieden. Sie überließ ihre schriftlich fixierten Heimlichkeiten dem Schriftsteller Jamal Tuschick. Der, so lesen wir auf dem Umschlag des Buches »Die Apfelweinkönigin oder Der Himmel über der Humboldtstraße«, »die Notate« formalisierte. Worin diese Formalisierungen bestanden, erfahren wir nicht, aber es ist schon mehr als exzeptionell, daß eine junge Frau ihre intimen Aufzeichnungen einem Mann zur Bearbeitung überläßt. Was wohl die Ober-Emma zu einer solchen Geschlechterpaarung sagen würde? Oder gar zu dem sehr offenen Bekenntnis der Tagebuchschreiberin: ...

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