01.09.2010 / Feuilleton / Seite 12

Im Dickicht

Durchlaufen, durcharbeiten und durchkauen: Die Welt im Wald, wie Ulrich Schlotmann sie sieht

Barbara Bongartz
Ein heiliger Mann begab sich an eine bestimmte Stelle im Wald, um zu meditieren, Feuer anzuzünden und zu beten, auf daß das Unglück von der Welt gewendet werde. Einige Zeit später ging einer seiner Schüler ebenfalls dorthin, aber er wußte das Feuer nicht anzuzünden, und so betete er nur. Wieder einige Zeit später hatte der nächste das Gebet vergessen und wußte das Feuer nicht anzuzünden, immerhin aber war er in der Lage, die geheime Stelle im Wald zu finden. Und nach weiteren Jahren sagte ein Schüler, »ich kann das Feuer nicht anzünden, ich kenne das Gebet nicht und nicht die Stelle im Wald. Alles, was ich kann, ist: die Geschichte zu erzählen. Und das muß reichen.«

Die Legende beschreibt mit dem Bild des Verlustes einen Prozeß der Entfernung von der Vergangenheit hin zur Entwicklung eines symbolischen Aktes in der Gegenwart. Sie ist Verortung und Selbstversicherung trotz Unkenntnis einer geschichtlichen Situation und eines mit dieser Situation verbunden...

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