12.08.2010 / Feuilleton / Seite 13

Notzucht und Ordnung

Wider deutsche Sprachzwangscharaktere: Wiglaf Droste liest

Arnold Schölzel
Unter dem Titel der Doppel-CD Wiglaf Drostes »Im Sparadies der Friseure« steht »Eine kleine Sprachkritik«. Das »klein« ist mehrfach untertrieben. Quantitativ: Zu hören sind in immerhin 150 Minuten 27mal der Autor, einmal Steffen Brück (über »Bauchgefühl«) und zweimal Danny Dziuk, der Texte Drostes – »Wachstumsbeschleunigungsgesetz« und »Friseur« – singt. Zu bescheiden ist das »kleine« jedoch vor allem, was den Inhalt des Vorgetragenen angeht. Es werden zwar sprachkritikkonform Wortspielhöllen durchquert und an »repetitiver Zwangskalaueritis« (notorisches Wiederholen von »Schläfrig-Holzbein« statt »Schleswig-Holstein«, »Abfallsaft« statt »Apfelsaft« oder »zum Bleistift« statt »zum Beispiel« etc.) leidet hoffentlich nach Drostes Lektion kein Hörer mehr, aber das ist bei ihm ein Vordergrund, nicht das Ganze. Nebenbei, fast versteckt, wird die deutsche Ideologie der Gegenwart lädiert, vielleicht bei diesem oder jenem demoliert und damit ein Aufklä...

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