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08.05.2009 / Feuilleton / Seite 12

Am Es-passiert-Was arbeiten

Dit is Berlin, nee Charlottenburg: Morgen gibt es dort 56 Lesungen

Barhocker voraus – am Samstag steigt in Berlin-Charlottenburg die »erste Lange Nacht des Buches«. 56 Lesungen an 40 Orten bei grundsätzlich freiem Eintritt. Nicht nur in Kneipen, Cafes und Restaurants, sondern auch im Bestattungsinstitut, Pflegeheim, beim Frisör oder im Matratzenladen. Es soll vorrangig an Orten gelesen werden, die einen Bezug zu den gelesenen Büchern aufweisen. Eine Art materialistisches Feng Shui, gefördert mit EU-Geldern, aus dem Topf »Lokales Soziales Kapital«.

In Berlin, der Stadt, die kein Zentrum, aber verschiedene Bezirke als Quasi-Städte in einer hat, ist Charlottenburg psychogeographisch gesehen der Ort des alten bürgerlichen Westberlin. Doch in der seit 1989 konstant gentrifizierten Stadt befindet sich vieles im Fluß. Man sagt zum Beispiel, Neukölln sei an manchen Stellen das neue Kreuzberg oder Prenzlauer Berg das neue Charlottenburg. Oder aber das alte Charlottenburg ist der neue Prenzlauer Berg. Das heißt, es passiert...

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