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11.10.2008 / Feuilleton / Seite 13

Ordnung und Kontrolle

Aus der Repressionsgeschichte: Wie war das mit der Hausnummer?

Frank Brendle
Den Überwachungsstaat assoziiert man gemeinhin mit Geheimdiensten, Lauschangriffen und großangelegten Datensammlungen. Dagegen wird am 11. Oktober in Berlin demonstriert. Über Hausnummern redet aber mal wieder keiner. Die Hausnummer ist so alltäglich, »daß man gar nicht auf die Idee kommt, sie könnte eine Geschichte haben«, schreibt der Wiener Historiker Anton Tantner. In seinem Buch »Die Hausnummer« erzählt er deren Historie als eine »von Ordnung und Unordnung«.

Bevor Häuser Nummern erhielten, hatten sie, wenn überhaupt, Namen. Häufig gab es mehrere Häuser gleichen Namens in einer Ortschaft. Die Bewohner kamen damit zurecht, aber der Zugriff einer übergeordneten, staatlichen Instanz gestaltete sich schwierig. Es ist kein Wunder, daß die Einführung der Hausnummern in die Epoche der entstehenden Nationalstaaten fällt, insbesondere ins 18. Jahrhundert, das »von Ordnung und Klassifikation geradezu besessen« war. Zweck der Hausnummern war es nicht, den Me...

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