31.05.2008 / Thema / Seite 10

Der totale Jargon

Ödön von Horváth, die Kleinbürger und die Sprache. Vor siebzig Jahren starb der Schriftsteller in Paris

Gerhard Wagner
Die Avenue des Champs-Elysées ist sehr breit, sehr lang und von vielen kahlen, ihre schwarzen Äste gen Himmel reckenden Bäumen gesäumt. Zwischen ihnen können sich die Fußgänger nur gänzlich verloren bewegen, zuweilen magische Schatten werfend. Wie ein riesiger, langgestreckter Platz anmutend, ist die Avenue von jenem »charme«, der nur mit »kalte Pracht« übersetzbar ist. Sie führt von einem Riesenrad aufwärts bis zum Arc de Triomphe und bietet vor allem Platz für schnelle Limousinen und schleichende Hochsitz-Touristenbusse, die dem »air de Paris« ein schwer-süßliches Aroma verleihen. Östlich des Rondells ist die Avenue nichts anderes als eine Art Volkspark mit Bänken, Kiosken und Puppentheater. In den Seitenstraßen, zwischen Botschaftsdomizilen, Versicherungsgebäuden und Medienpalästen, setzt sich fort, was unermüdliche Werbetrommler als Inbegriff Pariser Eleganz anpreisen. Oft sind in den Cafés rund um den Kreisverkehr auch synthetisch wirkende, in Salate...

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