30.04.2008 / Feuilleton / Seite 12

Krawatte gebunden?

Nicht von der Revolution sprechen: Wie man sich als Antiautoritäre aus dem Westen in der ostdeutschen Provinz fühlt

Anja Röhl
In der Linken ist es hier im Osten seltsam, hier beherrscht der Typus des korrekten Schlips- und Anzugträgers, den ich sonst mehr auf seiten der Gegenpartei vermutet hätte, das Bild. Ein bürgerliches Äußeres, wie wir das früher gern genannt hatten, ist allgegenwärtig, wenn man auf linke Parteiveranstaltungen geht. »Keine Vorurteile«, sagte ich mir, machte mich bekannt mit diesen Menschen, meist Männern, und stieß auf Erstaunliches: Beste Kenntnisse des Marxismus vermischen sich mit Ideen zur besseren Organisation des »Wirtschaftslebens«. Und die Kritik an den Kapitalgesetzen wird in den Köpfen der brav und bieder angezogenen Leute zum Know-how moderner Betriebsführung. Mit einem linken Parteibuch kann man spielend Polizei, Armee und Staatsapparat befürworten und Führungspositionen in Wirtschaft und Verwaltung anstreben. Etwas anderes wird gar nicht als ernstzunehmende Politik angesehen. Mir dagegen mit meiner linken Westvergangenheit bei den Antiautoritär...

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