15.10.2015 / Feuilleton / Seite 11

Labor für Kollaboration

Das Berliner Off-Theaterstück »Ipsagon« ist eine Schule entspannten Daseins

Jamal Tuschick

»Der Mensch ist die stärkste Droge für andere«, behauptet Joachim Bauer. Die Architektin, Schauspielerin und Regisseurin Adela Bravo Sauras beansprucht den Freiburger Hirnforscher als Gewährsmann für eine antideterministische, Freud-ferne Psychologie, mit der sie sich dem Werk von Henrik Ibsen nähert. Ich nenne den Ansatz optimistisch. Optimismus ist jedenfalls ein Merkmal von Bravo Sauras’ Inszenierungen. Sie selbst beschreibt ihre Arbeit als »architektonisches Theater«. Charakteristisch sind labyrinthische Spielflächen und -anordnungen, die planimetrischen Berechnungen folgen. In »Ipsagon«, der aktuellen Produktion von Bravo Sauras’ Gruppe No Fourth Wall, die heute im Berliner Ballhaus Ost uraufgeführt werden soll, begeht der mobilisierte Zuschauer acht Räume. In jedem Séparée des Hexagons erwarten ihn Schauspieler, die überdies Architekten, Philosophen oder Psychologen sein können. Man durchläuft Stadien einer Initiation zu gesteigerte...

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