20.10.2012 / Feuilleton / Seite 12

Wo ist bloß dieser Text abgelegt?

Kunstvoll erzählt Hartmut Abendscheins »Dranmor« vom Schriftstellerwahnsinn

Peggy Neidel
Nicht umsonst beginnt die Erzählung mit einem Zitat aus »Alice im Wunderland«. Es geht um Fieberträume, gespaltene Persönlichkeiten, Pilze in Wänden und sprechende Schnapsfläschchen. Verrückt. Oder der ganz normale Wahnsinn im Leben eines Schriftstellers. Der namenlose Ich-Erzähler wohnt in der Schweiz. Sein Hausmeisterjob erfüllt ihn nicht, er schlägt sich so durch. Weil er wiederholt auf einen lästigen Pilzschwamm im Gebäude hinweist, wird ihm gekündigt. Ein Jugendfreund taucht auf, und der Name eines vergessenen Berner Dichters fällt: Dranmor, bürgerlich Ferdinand Schmid (1823–1888). Dringend müsse er gewürdigt werden.

Der Erzähler mit Schreibblockade beginnt, in Archiven zu wühlen, Bücher, Notizen und Aufzeichnungen zu sichten. Bald verriegeln die Berge vor dem Haus jeden Blick ins Außen: »Die drei Phasen der Bergkulisse verschwinden. Schwimmen ineinander. (…) Der Nebel legt einen Schleier über die Kanten. Alles wird grau. Kartoffelsalat...

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