07.04.2012 / Abgeschrieben / Seite 8

Tatsachen ins rechte Licht gerückt

* Der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski, erklärte am Freitag in einer Pressemitteilung zu der medialen Aufregung um Günter Grass:



Ostermarschierer: Weil Grass recht hat …



Selten ist ein Literaturnobelpreisträger von den Medien und der herrschenden Politik so schlecht behandelt worden wie Günter Grass nach Veröffentlichung seines Poems »Was gesagt werden muß«. Darin rückt Grass ein paar Tatsachen ins rechte Licht, die hier zu Lande nur zu gern verschwiegen werden:

– daß nicht der Iran, sondern Israel über Atomwaffen verfügt und somit in der Lage ist, den Iran zu vernichten;

– daß nicht Iran, sondern Israel dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten ist und keinerlei internationale Kontrolle über sein Atomprogramm zuläßt;

– daß Deutschland mit der Lieferung eines weiteren Atom-U-Boots an Israel sich zum Beihelfer eines möglichen Präventivkrieges gegen Iran machen würde;

– daß von der realen Atommacht Israel eine Gefahr für den »brüchigen Weltfrieden« ausgeht;

– daß die Politik des Westens gegenüber Iran und Israel von Heuchelei geprägt ist; und

– daß, wer Israels Politik kritisiert, all zu leicht unter das Verdikt des »Antisemitismus« fällt.

Den Beweis dafür lieferten postwendend die abfälligen bis geifernden und »empörten« Verrisse, die sich Grass gefallen lassen mußte: Der notorische Islamhasser Henryk Broder beschimpfte Grass als »Prototyp des gebildeten Antisemiten«, Micha Brumlik meint in einem taz-Kommentar, »der Grass von 2012« sei noch »schlimmer als ein Antisemit«, und die israelische Botschaft in Berlin stellt Grass in eine Traditionslinie des europäischen Antisemitismus, der die Juden regelmäßig vor dem Pessach-Fest des »Ritualmords« angeklagt habe. Und die Bild-Zeitung titelt in bekannter Manier: »Irres Gedicht gegen Israel«.

Der Bundesausschuß Friedensratschlag findet nichts Irres und keine Spur von Antisemitismus in dem Gedicht von Grass. Und da es in keinem der ablehnenden Kommentare um eine literarische Bewertung des Textes geht, sondern nur um dessen politische Aussage, wollen wir dieser ausdrücklich zustimmen. Die an diesem Wochenende stattfindenden Ostermärsche der Friedensbewegung sind dankbar für die klaren Worte des Nobelpreisträgers – auch wenn er womöglich bei seinem Gedicht nicht an die Friedensbewegung gedacht hat. Grass Thesen decken sich mit den Forderungen der Ostermarschierer, etwa wenn es in der Erklärung des »Friedensratschlags« heißt: »Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen in die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens; dies schließt Schützenpanzer in die Vereinigten Emirate genauso ein wie Kampfpanzer nach Saudi-Arabien oder U-Boote nach Israel.«



Ostermarschierer: Weil Grass recht hat …



Selten ist ein Literaturnobelpreisträger von den Medien und der herrschenden Politik so schlecht behandelt worden wie Günter Grass nach Veröffentlichung seines Poems »Was gesagt werden muß«. Darin rückt Grass ein paar Tatsachen ins rechte Licht, die hier zu Lande nur zu gern verschwiegen werden:

– daß nicht der Iran, sondern Israel über Atomwaffen verfügt und somit in der Lage ist, den Iran zu vernichten;

– daß nicht Iran, sondern Israel dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten ist und keinerlei internationale Kontrolle über sein Atomprogramm zuläßt;

– daß Deutschland mit der Lieferung eines weiteren Atom-U-Boots an Israel sich zum Beihelfer eines möglichen Präventivkrieges gegen Iran machen würde;

– daß von der realen Atommacht Israel eine Gefahr für den »brüchigen Weltfrieden« ausgeht;

– daß die Politik des Westens gegenüber Iran und Israel von Heuchelei geprägt ist; und

– daß, wer Israels Politik kritisiert, all zu leicht unter das Verdikt des »Antisemitismus« fällt.

Den Beweis dafür lieferten postwendend die abfälligen bis geifernden und »empörten« Verrisse, die sich Grass gefallen lassen mußte: Der notorische Islamhasser Henryk Broder beschimpfte Grass als »Prototyp des gebildeten Antisemiten«, Micha Brumlik meint in einem taz-Kommentar, »der Grass von 2012« sei noch »schlimmer als ein Antisemit«, und die israelische Botschaft in Berlin stellt Grass in eine Traditionslinie des europäischen Antisemitismus, der die Juden regelmäßig vor dem Pessach-Fest des »Ritualmords« angeklagt habe. Und die Bild-Zeitung titelt in bekannter Manier: »Irres Gedicht gegen Israel«.

Der Bundesausschuß Friedensratschlag findet nichts Irres und keine Spur von Antisemitismus in dem Gedicht von Grass. Und da es in keinem der ablehnenden Kommentare um eine literarische Bewertung des Textes geht, sondern nur um dessen politische Aussage, wollen wir dieser ausdrücklich zustimmen. Die an diesem Wochenende stattfindenden Ostermärsche der Friedensbewegung sind dankbar für die klaren Worte des Nobelpreisträgers – auch wenn er womöglich bei seinem Gedicht nicht an die Friedensbewegung gedacht hat. Grass Thesen decken sich mit den Forderungen der Ostermarschierer, etwa wenn es in der Erklärung des »Friedensratschlags« heißt: »Sofortiger Stopp aller Waffenlieferungen in die Staaten des Nahen und Mittleren Ostens; dies schließt Schützenpanzer in die Vereinigten Emirate genauso ein wie Kampfpanzer nach Saudi-Arabien oder U-Boote nach Israel.«

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