03.11.2006 / Schwerpunkt / Seite 3

Gregor Gysi schreibt an Henryk Broder

Wenn zwei Abgeordnete der Linksfraktion eine Petition unterzeichnen

Knut Mellenthin
Wenn der Spiegel-Journalist Henryk Broder von der Linkspartei spricht, hat er meist Schaum vorm Mund. »Angeber, Knalltüten und Wichtigtuer« ist noch das Harmloseste was ihm einfällt, wenn er zuvor gut und reichlich gegessen hat. Doch wenn Broder schlecht gelaunt ist, setzt es auch schon mal härtere Worte wie »Antisemiten« und »Nationalbolschewisten«. Aber den Gregor Gysi mag Broder, wie er am 29. Oktober auf der Website der »Achse des Guten« bekanntgab. Diesen Namen, unter dem der Broder-Freundeskreis firmiert, könnte man naiverweise für Selbstironie halten. Tatsächlich hat dieser Zirkel aber ein äußerst schlicht gestricktes Weltbild, das kaum intelligenter als das von George W. Bush ist und sich auch inhaltlich von jenem nicht wesentlich unterscheidet.

Wie erwirbt man sich als Linker die Wertschätzung eines solchen Mannes? Gregor Gysi hatte sich in den Streit um den Auftritt Broders bei einem Po­diumsgespräch in Zürich eingeschaltet, das am So...

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