15.09.2006 / Ausland / Seite 6

Täter und Opfer im Libanon-Krieg

Zu einem Bericht von Amnesty International

Rainer Rupp


Amnesty International (ai) hat in einem am Donnerstag in London vorgestellten Bericht der Hisbollah Kriegsverbrechen im Konflikt mit Israel vorgeworfen, weil etwa ein Viertel der 4000 von Hisbollah abgefeuerten Raketen in israelischen Wohngebieten eingeschlagen seien. Zwar räumte Amnesty-Generalsekretärin Irene Khan ein, daß »auch Israel ernsthafte Verstöße begangen« habe, aber diese Tatsache rechtfertige nicht »die Verstöße der Hisbollah«. Vor drei Wochen hatte Amnesty in einem anderen Bericht bereits Israel der Kriegsverbrechen im Libanon beschuldigt.

Laut jüngsten Zahlen starben infolge des israelischen Angriffskriegs auf israelischer Seite 119 Soldaten und 44 Zivilisten und auf libanesischer Seite 88 Hisbollah-Soldaten und über 1250 Zivilisten. Damit liegt das Verhältnis von getöteten Zivilisten zu Soldaten bei 1:3 in Israel und bei 15:1 im Libanon. Wenn also eine Seite in diesem Krieg für sich beanspruchen kann, hauptsächlich gegnerische Soldaten getötet zu haben, dann ist das Hisbollah.

Israel hat die hohen Opferzahlen unter der libanesischen Zivilbevölkerung mit der Behauptung gerechtfertigt, daß Hisbollah sich angeblich »hinter Zivilisten« versteckte. Umgekehrt wird ein Schuh daraus, denn Hisbollah ist im Libanon auch eine anerkannte politische und soziale Organisation, mit Büros inmitten vieler Wohnzentren. Weil es aber Israels offiziell erklärtes Ziel war, Hisbollah nicht nur militärisch, sondern auch politisch zu vernichten, hatte die Olmert-Regierung jedes Hisbollah-Büro zum Kriegsziel erklärt. Kein Wunder, daß bei den israelischen Luftangriffen auf diese Ziele ausschließlich Zivilisten starben. Wenn nun Amnesty International ungeachtet der Fakten auf gleiche Distanz zu den israelischen Angreifern und den libanesischen Opfern geht, dann steht die Glaubwürdigkeit der Organisation auf dem Spiel.

Amnesty International (ai) hat in einem am Donnerstag in London vorgestellten Bericht der Hisbollah Kriegsverbrechen im Konflikt mit Israel vorgeworfen, weil etwa ein Viertel der 4000 von Hisbollah abgefeuerten Raketen in israelischen Wohngebieten eingeschlagen seien. Zwar räumte Amnesty-Generalsekretärin Irene Khan ein, daß »auch Israel ernsthafte Verstöße begangen« habe, aber diese Tatsache rechtfertige nicht »die Verstöße der Hisbollah«. Vor drei Wochen hatte Amnesty in einem anderen Bericht bereits Israel der Kriegsverbrechen im Libanon beschuldigt.

Laut jüngsten Zahlen starben infolge des israelischen Angriffskriegs auf israelischer Seite 119 Soldaten und 44 Zivilisten und auf libanesischer Seite 88 Hisbollah-Soldaten und über 1250 Zivilisten. Damit liegt das Verhältnis von getöteten Zivilisten zu Soldaten bei 1:3 in Israel und bei 15:1 im Libanon. Wenn also eine Seite in diesem Krieg für sich beanspruchen kann, hauptsächlich gegnerische Soldaten getötet zu haben, dann ist das Hisbollah.

Israel hat die hohen Opferzahlen unter der libanesischen Zivilbevölkerung mit der Behauptung gerechtfertigt, daß Hisbollah sich angeblich »hinter Zivilisten« versteckte. Umgekehrt wird ein Schuh daraus, denn Hisbollah ist im Libanon auch eine anerkannte politische und soziale Organisation, mit Büros inmitten vieler Wohnzentren. Weil es aber Israels offiziell erklärtes Ziel war, Hisbollah nicht nur militärisch, sondern auch politisch zu vernichten, hatte die Olmert-Regierung jedes Hisbollah-Büro zum Kriegsziel erklärt. Kein Wunder, daß bei den israelischen Luftangriffen auf diese Ziele ausschließlich Zivilisten starben. Wenn nun Amnesty International ungeachtet der Fakten auf gleiche Distanz zu den israelischen Angreifern und den libanesischen Opfern geht, dann steht die Glaubwürdigkeit der Organisation auf dem Spiel.

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