21.07.2006 / Ausland / Seite 6

Massenvertreibung bereitet Großoffensive vor

Israels kurzzeitiges Ziel zur Vernichtung der Hisbollah lautet: Entvölkerung des Südlibanon

Rainer Rupp

Laut Erklärung des israelischen Generalstabs von Donnerstag braucht die Armee noch zehn bis 14 Tage, um ihre militärischen Ziele im Libanon zu erreichen. Mit der am Mittwoch begonnenen Bodenoffensive wolle man Hisbollah-Raketen, insbesondere die mit größerer Reichweite, finden und neutralisieren und zugleich die Führungskader der Organisation eliminieren. Bisher habe man bereits mindestens 180 Waffen- und Raketenlager der Hisbollah zerstört. In den vergangenen Tagen waren israelische Stoßtrupps wiederholt kurzzeitig über die Grenze in den Libanon vorgestoßen; eine große Bodenoffensive wird nicht ausgeschlossen.
Zuletzt war Israel im Jahre 1982 auf breiter Front tief in den Libanon eingefallen, um die Palästinensische Befreiungsbewegung (PLO) unter Yassir Arafat zu zerschlagen oder mindestens zu vertreiben. Diese hatte sich während des Bürgerkrieges im Süden des Libanon als Staat im Staat etabliert. Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, bei denen zwischen 700 und 3500 Menschen ermordet wurden, gehörten zu den israelischen Terrormaßnahmen, um die Palästinenser zur Flucht zu bewegen. Von den USA unterstützt, setzte sich damals Israel letztlich durch. Die PLO mußte den Libanon verlassen.
Dennoch war Tel Aviv seinem Ziel, in Libanon eine Marionettenregierung zu errichten, keinen Schritt näher gekommen: Inzwischen war eine neue lokale libanesische Widerstandsorganisation entstanden, die schiitische, von Iran unterstützte Hisbollah. Diese sollte sich als eine härtere Gegnerin als die PLO erweisen. Nach drei Jahren einer »Politik der verbrannten Erde«, die in Libanon ungeheure Schäden anrichtete, aber auch für Israel sehr teuer wurde, zog Tel Aviv seine Invasionsarmee auf einen bis zu 20 Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze in die sogenannte »Sicherheitszone« zurück.
Um die »Sicherheitszone« entspannten sich in den folgenden 15 Jahren verlustreiche Kämpfe zwischen Armee und Hisbollah. Als sich Israel im Jahr 2000 ganz aus Libanon zurückzog, war aus der »Sicherheitszone« längst eine »Todeszone« geworden, in der die israelische Armee ein Vielfaches der Verluste erlitt, die sie in allen bisherigen Kriegen zusammen hatte hinnehmen müssen. Diese Niederlage wirkt bis heute.
Aktuell versucht das israelische Militär, im Südlibanon eine »freie Feuerzone« zu erreichen. Vor einer möglichen Großoffensive versucht sie deshalb, die örtliche Bevölkerung zu vertreiben. Danach könnte man gegen die Hisbollah ungestört vorgehen. Bisher hat die israelische Armee die Bewohner von 28 Dörfern im Südlibanon vor »gezieltem Feuer« gewarnt und zur Flucht aufgefordert. 60 000 Menschen aus dem betroffenen Gebiet sind nach Armeeangaben bereits dieser Aufforderung gefolgt.

Laut Erklärung des israelischen Generalstabs von Donnerstag braucht die Armee noch zehn bis 14 Tage, um ihre militärischen Ziele im Libanon zu erreichen. Mit der am Mittwoch begonnenen Bodenoffensive wolle man Hisbollah-Raketen, insbesondere die mit größerer Reichweite, finden und neutralisieren und zugleich die Führungskader der Organisation eliminieren. Bisher habe man bereits mindestens 180 Waffen- und Raketenlager der Hisbollah zerstört. In den vergangenen Tagen waren israelische Stoßtrupps wiederholt kurzzeitig über die Grenze in den Libanon vorgestoßen; eine große Bodenoffensive wird nicht ausgeschlossen.
Zuletzt war Israel im Jahre 1982 auf breiter Front tief in den Libanon eingefallen, um die Palästinensische Befreiungsbewegung (PLO) unter Yassir Arafat zu zerschlagen oder mindestens zu vertreiben. Diese hatte sich während des Bürgerkrieges im Süden des Libanon als Staat im Staat etabliert. Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, bei denen zwischen 700 und 3500 Menschen ermordet wurden, gehörten zu den israelischen Terrormaßnahmen, um die Palästinenser zur Flucht zu bewegen. Von den USA unterstützt, setzte sich damals Israel letztlich durch. Die PLO mußte den Libanon verlassen.
Dennoch war Tel Aviv seinem Ziel, in Libanon eine Marionettenregierung zu errichten, keinen Schritt näher gekommen: Inzwischen war eine neue lokale libanesische Widerstandsorganisation entstanden, die schiitische, von Iran unterstützte Hisbollah. Diese sollte sich als eine härtere Gegnerin als die PLO erweisen. Nach drei Jahren einer »Politik der verbrannten Erde«, die in Libanon ungeheure Schäden anrichtete, aber auch für Israel sehr teuer wurde, zog Tel Aviv seine Invasionsarmee auf einen bis zu 20 Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze in die sogenannte »Sicherheitszone« zurück.
Um die »Sicherheitszone« entspannten sich in den folgenden 15 Jahren verlustreiche Kämpfe zwischen Armee und Hisbollah. Als sich Israel im Jahr 2000 ganz aus Libanon zurückzog, war aus der »Sicherheitszone« längst eine »Todeszone« geworden, in der die israelische Armee ein Vielfaches der Verluste erlitt, die sie in allen bisherigen Kriegen zusammen hatte hinnehmen müssen. Diese Niederlage wirkt bis heute.
Aktuell versucht das israelische Militär, im Südlibanon eine »freie Feuerzone« zu erreichen. Vor einer möglichen Großoffensive versucht sie deshalb, die örtliche Bevölkerung zu vertreiben. Danach könnte man gegen die Hisbollah ungestört vorgehen. Bisher hat die israelische Armee die Bewohner von 28 Dörfern im Südlibanon vor »gezieltem Feuer« gewarnt und zur Flucht aufgefordert. 60 000 Menschen aus dem betroffenen Gebiet sind nach Armeeangaben bereits dieser Aufforderung gefolgt.

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