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02.06.2021 / Feuilleton / Seite 3 (Beilage)

Irreale Weltsicht

Gibt es eine grundlegende Ideologie des Imperialismus? Georg Lukács hat einen Leitfaden für die Beantwortung dieser Frage geliefert

Arnold Schölzel

Dem Vorwort vom November 1952 zu »Die Zerstörung der Vernunft« gab Georg Lukács den Untertitel »Über den Irrationalismus als internationale Erscheinung in der imperialistischen Periode«. Der ungarische Philosoph deutete so an, wie er an eine methodische und inhaltliche Grundfrage seiner Arbeit herangehen wollte. Diese Frage lautet: Gibt es so etwas wie eine grundlegende Ideologie des Imperialismus? Ist der Übergang vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus, zur Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital, mit dem Übergang zu einer Ideologie verbunden, deren Grundzüge »in der imperialistischen Periode« im wesentlichen gleichbleiben?

Wer die Frage vom Standpunkt des historischen Materialismus stellt, muss sie mit Ja beantworten. Gewonnen ist damit aber wenig, die konkrete Analyse kann hier erst beginnen.

Lücke im Marxismus

In den ökonomischen Imperialismustheorien, die ab 1900 von bürgerlichen Theoretikern und Marxisten entwickelt wurden,...

Artikel-Länge: 7786 Zeichen

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