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11.09.2019 / Feuilleton / Seite 7 (Beilage)

Mensch Migrant

Über Archäogenetik, große Wanderungsbewegungen und die vergebliche Suche nach einem »Urvolk«

Faruk A. Sade

Zu Kaisers Zeiten galt in der deutschen Archäologie ein »Gesetz«: »Scharf umgrenzte Kulturprovinzen decken sich zu allen Zeiten mit ganz bestimmten Völkern oder Völkerstämmen.« Der Urheber dieser »Lex Kossinna«, der völkische Prähistoriker Gustaf Kossinna (1858–1931), war auf der Suche nach der Urheimat des Urgermanen, denn er glaubte, mit seiner ethnischen Interpretation archäologischer Kulturgruppen die Vorgeschichte der Germanen bis in die Bronzezeit zurückverfolgen und eine direkte Verbindung zu den Urindogermanen herstellen zu können. Das war ausgemachter, allerdings damals schon nicht unangefochtener Unfug. Doch die Vorstellung von der Ausbreitung einer (kriegerisch) überlegenen »nordischen Rasse« als Kulturbringerin mit der Streitaxt und der nordischen Kultur als »Mutter der Antike« verlieh den Nazis ein pseudowissenschaftlich gewebtes Legitimationsmäntelchen für weitgesteckte Eroberungsabsichten in Zentral- und Osteuropa. Überall, wo außerhalb der...

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