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24.04.2019 / Betrieb & Gewerkschaft / Seite 8 (Beilage)

Ein Fest der »Volksgemeinschaft«

Den 1. Mai 1919 machte die SPD als antirevolutionären »Nationalfesttag« zum staatlichen Feiertag

Leo Schwarz

Am 1. Mai 1919 stand Conrad Haußmann, Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei und Abgeordneter der im Januar gewählten verfassunggebenden Nationalversammlung, an einem Fenster des Weimarer Rathauses. Draußen zog ein »Demonstrationszug mit roter Fahne« heran: »Fünfzehnhundert Männer und Frauen meist biederen Aussehens. Sie sammelten sich vor meinem Rathausfenster. Reden: ›Nur Worte, keine Taten haben die Leute in der Nationalversammlung.‹« Mehr passierte nicht: »Es regnete kalt, und der Revolutionszug zerstreute sich.« Und dennoch ärgerte sich der württembergische Liberale. Nicht einmal am Tagungsort der Nationalversammlung klappte nämlich, was sich die Regierung, in der auch seine Partei saß, ausgedacht hatte. Man hatte den 1. Mai zwei Wochen zuvor zum staatlichen Feiertag erklärt – eine Verbeugung vor der Arbeiterbewegung, aber mit bestimmten Absichten. Bei den Maifeiern sollte der Gedanke der Überwindung der »Klassenschranken« und der nationalen Ve...

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