08.08.2018 / Kapital & Arbeit / Seite 6 (Beilage)

Scheiße zu Humus

Die Bedeutung menschlicher Fäkalien für die Landwirtschaft und eine Ausstellung zum Thema im früheren »Rieselgut« Blankenfelde im Norden Berlins

Helmut Höge

Exkremente seien wichtig für die Agrikultur, bemerkte Karl Marx, und ein Machtwort von Mao Zedong lautete: »Kuhmist ist wichtiger als Dogmen.« Im vorrevolutionären China waren Landarbeiter sogar verpflichtet, die Toilette des Gutsbesitzers zu benutzen, weil man den Wert ihrer Hinterlassenschaften kannte. An den Landstraßen standen Töpfe, die regelmäßig geleert wurden. Fäkalien waren ein Handelsgut.

In Berlin wurden die flüssigen Abfälle bis ins späte 19. Jahrhundert hinein über Vertiefungen im Straßenpflaster in die Flüsse abgeleitet. Berlin stank. Als wieder einmal eine Choleraepidemie ausbrach, beauftragten die Stadtpolitiker, allen voran der Mediziner und linksliberale Abgeordnete Rudolf Virchow, 1869 den Städtebaufachmann James Hobrecht mit dem »Ausbau der Berliner Kanalisation«. Vorbild für das von ihm geplante umfangreiche Abwassersystem war London, bei der Entsorgung orientierte man sich an den Pariser »Rieselfeldern«. Teil der Anlagen waren zwölf ...

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